© Pflegebildungswerk Prometheus 2012 | All rights reserved by Dr.JK
Made with Xara
Wir brauchen Geschichte zum Leben und zur Tat, nicht zur bequemen Abkehr vom Leben und von der Tat,
oder gar zur Beschönigung des selbstsüchtigen Lebens und der feigen und schlechten Tat." So formulierte
es der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900) in seinen "Unzeitgemäßen Betrachtungen".
Die Geschichte dient nach Nietzsche dem Leben des Menschen in dreierlei Hinsicht: "sie gehört ihm als
dem Tätigen und Strebenden", das ist die monumentalische Historie, "ihm als den Bewahrenden und
Verehrenden," das ist die antiquarische Historie, "ihm als den Leidenden und der Befreiung Bedürftigen",
das ist die kritische Historie (Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben). Die monumentalische
Historie beschreibt das Mächtige und Große der Vergangenheit. Für den Tätigen wendet sich diese Art der
Historie gegen jede Resignation. Der antiquarische Historiker pflegt das Vergangene als das zu
Bewahrende und zu Verehrende. Diese Art der Historie läuft große Gefahr, nur noch das Alte zu verehren
und alles Neue abzulehnen. Die kritische Historie, die im Dienste des Lebens stehen will, muss die Kraft
haben, das Vergangene zu vergessen, um leben zu können und Neues zu schaffen. Alle drei Arten der
Historie sind notwendig, aber nicht mit dem Ziel der Vermehrung der Erkenntnis, "sondern immer nur zum
Zweck des Lebens". Geschichte soll weder die Gegenwart schwächen noch die Zukunft entwurzeln.
Will man sich Nietzsches Sichtweise über die Historie für die
Geschichte der Pflege zu eigen machen, dann sind damit zugleich ihre
Aufgaben und Ziele abgesteckt: Geschichte der Pflege soll mit den
Mitteln einer historischen Pflegeforschung die Vergangenheit der
Pflege, des Pflegens und der Pflegephänomene bald als
monumentalische, bald als antiquarische, bald als kritische Historie
eruieren und erforschen. Dies aber nicht zum Zweck der Vermehrung
pflegehistorischen Wissens, sondern um Willen des Lebens.